„Kriminalität und wirtschaftliche Verhältnisse“ von Willem Adriaan Bonger ist ein wissenschaftliches Werk aus dem Bereich der Kriminologie und Soziologie, das Anfang des 20. Jahrhunderts verfasst wurde. Dieses Buch bietet eine kritische Untersuchung der Beziehung zwischen wirtschaftlichen Verhältnissen und kriminellem Verhalten und betont den Einfluss sozialer und wirtschaftlicher Faktoren auf die Kriminalität – statt individueller Schuld. Es befasst sich mit historischen Debatten über Kriminalität und liefert Einsichten, die individualistische Perspektiven mit einer systemorientierten Sichtweise verbinden, die von wirtschaftlichen Ungleichheiten geprägt ist. Der Einstieg des Textes legt den Rahmen für Bongers Untersuchung; dabei werden frühere Literaturstudien erörtert, die zeigen, wie Kriminalität in sozialen Konstrukten und wirtschaftlichen Unterschieden ihren Ursprung hat. Zunächst analysiert Bonger historische Ansichten verschiedener Intellektueller wie Thomas More und Jean Meslier, die die negativen Auswirkungen wirtschaftlicher Verhältnisse auf das soziale Verhalten untersuchten. Er weist darauf hin, dass allein strafrechtliche Maßnahmen gegen Kriminalität unzureichend sind, solange nicht die zugrunde liegenden wirtschaftlichen Motive berücksichtigt werden, die Menschen zu kriminellen Handlungen veranlassen. Damit schafft er die Grundlage für eine tiefschürfende Diskussion, die soziale Gerechtigkeit mit wirtschaftlichen Reformen verbindet.