„De Duodecim Abusionibus Sæculi“ des heiligen Patrick ist ein hiberno-lateinischer Traktat, der zwischen 630 und 700 von einem anonymen irischen Autor verfasst wurde. Dieses einflussreiche Werk untersucht soziale und politische Moralvorstellungen anhand von zwölf konkreten Missbräuchen, die die ordnungsgemäße Struktur der Gesellschaft gefährden. Obwohl mittelalterliche Manuskripte diesen Text verschiedenen Kirchenvätern zuschreiben, bezieht er sich in weiten Teilen auf biblische Quellen und prägte das politische Denken in ganz Europa. Sein neunter Abschnitt, der sich mit dem ungerechten König beschäftigt, erwies sich insbesondere als sehr einflussreich auf die „Spiegel für Fürsten“ des karolingischen Zeitalters sowie auf die spätmittelalterliche politische Literatur.