„Sibylla – oder: Die Wiederbelebung der Prophezeiung“ ist ein spekulativer Essay, der Anfang des 20. Jahrhunderts verfasst wurde. Darin wird vorgeschlagen, dass die „Prophezeiung“ als disziplinierte wissenschaftliche Prognose wiederbelebt werden kann – mit dem Argument, dass moderne Wissenschaft und Psychologie zunehmend die Zukunft von Gesellschaft, Industrie, Bildung, Politik und sogar der menschlichen Natur vorhersagen sowie diese bewusst gestalten werden. Mace untersucht aktuelle „prophetische“ Denkweisen, stellt den futuristischen Ansatz, der sich auf technologische Entwicklungen konzentriert, gegen biologisch orientierte Prognosen und skizziert schließlich eine bevorstehende Revolution: die wissenschaftliche Steuerung von Geist und Verhalten. Anhand von Beispielen aus der Industriepsychologie zeigt er auf, wie Anreize, Umweltfaktoren sowie subtile soziale Einflüsse Arbeit, Politik und öffentliche Meinung beeinflussen können – wobei Propaganda zu einer präzisen Kunst wird, Humor als politisches Werkzeug eingesetzt wird und Kriege hauptsächlich mit psychologischen Mitteln geführt werden. Er prognostiziert außerdem eine Umstrukturierung des Bildungswesens um natürliche Rhythmen sowie lebenslange Lernprozesse, eine enge Verknüpfung von Fabrik, Schule und Klinik sowie Universitäten, die durch den Massenmedienbereich herausgefordert werden. Diese Kontrolle soll sich auch auf die Eugenik sowie die Selektion ausdehnen; außerdem spekuliert er über veränderte Sinne, das Gedächtnis sowie spezialisierte Sprachen und verfolgt moralische Tendenzen hin zu weniger Grausamkeit sowie selbstreflexiveren, kühleren Emotionen. Gesellschaftlich wird sich seiner Vorstellung nach eine kleine, geprüfte technokratische Elite von einer zufriedenen Mehrheit unterscheiden; Sport wird dabei an Bedeutung verlieren, da Arbeit und Spiel unter wissenschaftlicher Planung verschmelzen. Abschließend fragt er, ob eine solche Kontrolle Glück oder Tugend bringt – und weist darauf hin, dass sich der Wunsch nach Erfolg ständig erweitert, während die Befriedigung immer unerreichbar bleibt.