„Der gesunde Menschenverstand im Umgang mit Sex“ von James Oppenheim ist ein kurzes Werk aus dem Bereich der populären Psychologie und Sexualerziehung, das Anfang des 20. Jahrhunderts verfasst wurde. Es bietet eine klare, nicht-puritanische Sicht auf die Sexualität, verbindet psychoanalytische Ansätze mit praktischen Ratschlägen und argumentiert, dass das sexuelle Leben natürlich, vielfältig ist und am besten mit fundiertem gesundem Menschenverstand angegangen werden sollte. Das Buch behandelt Freuds Beschreibungen der infantilen Sexualität, Fixierungen, Perversionen und Sublimationen; vergleicht sie mit Jungs Kritiken sowie seinen Konzepten der introvertierten und extrovertierten Persönlichkeitstypen und der vier Funktionen (Denken, Fühlen, Intuition, Sinneswahrnehmung), um zu zeigen, warum die Sexualität bei verschiedenen Menschen so unterschiedlich ist. Es bewertet auch Behauptungen über ein „drittes Geschlecht“ und interpretiert sie als Mischungen aus männlichen und weiblichen Eigenschaften, die in jedem Menschen vorhanden sind. Zudem betont es Havelock Ellises Konzept der „Kunst der Liebe“, bei dem Vorspiel und gegenseitige Reaktionen den Geschlechtsakt bereichern. Der Autor warnt vor universellen moralischen Normen und erklärt, wie Angst, Unterdrückung, soziale Drücke (Angst vor Schwangerschaft, Ängste bezüglich Impotenz, starre Monogamie) das Verlangen verzerren können; zugleich kann fehlgeleitete kreative Energie zu Perversionen oder fanatischem Verhalten führen. Er plädiert für eine Sexualerziehung, für einfühlsame Beratung junger Menschen – einschließlich des Umgangs mit Autoerotismus – für differenzierte Sichtweisen auf Homosexualität und Prostitution sowie für flexible, humane Beziehungen zwischen Erwachsenen. Das Buch schließt mit einem Ideal der Liebe, das Zärtlichkeit, Leidenschaft und Respekt vereint und Paare ermutigt, ihren eigenen ethischen Weg zu finden.