„Gothische Architektur“ von Édouard Corroyer ist ein umfassendes kunstwissenschaftliches Werk, das Ende des 19. Jahrhunderts verfasst wurde. Es untersucht die Entstehung und Entwicklung der gotischen Architektur, wobei insbesondere ihre französischen Wurzeln sowie die Prinzipien, die ihre verschiedenen Formen bestimmten, im Mittelpunkt stehen. Der Autor, als Architekt für die französische Regierung tätig und Inspektor für diözesane Gebäude, möchte die architektonischen Innovationen der Gotikzeit aufzeigen, wobei insbesondere die Bedeutung der Flügelbögen und der Gurtbögen hervorgehoben wird. Der Einführungsteil des Textes stellt die gotische Architektur als eine Entwicklung dar, die im Mittelalter in Frankreich ihren Ursprung nahm. Corroyer erörtert außerdem die irreführende Bedeutung des Begriffs „Gotik“, der historisch gesehen auf die Architektur der Goten bezogen war – einer Kultur, die jedoch kaum Einfluss auf das architektonische Design hatte. Er betont, dass die von ihm als gotische Architektur bezeichnete Struktur im Wesentlichen eine Fortsetzung und Weiterentwicklung früherer romanischer Stile darstellt und stark von lokalen Bautraditionen sowie Innovationen geprägt ist. Auf dieser Grundlage geht Corroyer darauf ein, die technischen Details sowie stilistischen Übergänge in bedeutenden Bauwerken jener Zeit zu analysieren und deutet dabei auf eine enge Verbindung zwischen kulturellem Erbe und architektonischer Fortschritt hin.