„Die Ketzerei im Mittelalter“ von Felice Tocco ist eine historische Abhandlung, die Ende des 19. Jahrhunderts verfasst wurde. Das Werk untersucht die komplexe Beziehung zwischen der scholastischen Philosophie und den ketzerischen Bewegungen des Mittelalters und konzentriert sich dabei insbesondere auf das Entstehen und die Entwicklung verschiedener als ketzerisch eingestufter Sekten dieser Zeit. Tocco verzichtet darauf, eine vereinfachte Darstellung der Lebenswege dieser Ketzer zu geben; stattdessen versucht er, die philosophischen Grundlagen sowie die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser religiösen Bewegungen zu analysieren. Zu Beginn seines Textes reflektiert Tocco über seine Forschungen zur Verbindung zwischen scholastischer Denkweise und zeitgenössischen Ketzereien. Er räumt ein, dass er ursprünglich beabsichtigt hatte, eine umfassende historische Darstellung der Ketzer zu verfassen – letztendlich entwickelte er jedoch eigene Ansichten über die Ursprünge und Entwicklung dieser zahlreichen ketzerischen Gruppen. Die Einleitung verdeutlicht zudem die Idee, dass das Mittelalter, oft fälschlicherweise als eine Ära der Harmonie angesehen, tatsächlich von intensiven ideologischen Auseinandersetzungen geprägt war – Auseinandersetzungen, die sich in den Konflikten zwischen verschiedenen philosophischen Strömungen widerspiegelten. Tocco erklärt seine Absicht, diese Spannungen insbesondere durch die Betrachtung ketzerischer Gruppen wie der Katharer genauer zu untersuchen und deren Überzeugungen, Ursprünge sowie Auswirkungen auf das religiöse Geschehen jener Zeit darzustellen.