„Psyche: Der Kult der Seele und der Glaube an die Unsterblichkeit bei den Griechen“ von Erwin Rohde ist eine wissenschaftliche Veröffentlichung, die Ende des 19. Jahrhunderts verfasst wurde. Dieses Werk untersucht die antiken griechischen Vorstellungen über die Seele, ihre Beziehung zum Leben nach dem Tod sowie die mit der Verehrung der Toten verbundenen Kultpraktiken. Rohde stützt sich bei seiner Analyse auf verschiedene historische Quellen, Philosophien und kulturelle Praktiken, um Einblicke in die Entstehung und Bedeutung dieser Überzeugungen bei den Griechen zu gewähren. Der Einstieg des Werkes erläutert die komplexe Beziehung zwischen Leben und Tod, wie sie im antiken griechischen Denken verstanden wurde – insbesondere durch das Blickfeld der homerischen Dichtung. Rohde argumentiert, dass das Konzept der Psyche nicht einfach als eine ätherische Existenz auftritt, sondern als ein untrennbarer Bestandteil der eigenen Identität, der bis zum Tod mit dem physischen Dasein verbunden ist. Er erörtert außerdem, wie griechische Helden mit dem Gedanken an ihre eigene Sterblichkeit sowie der Natur des Jenseits umgingen, und betont, dass diese frühen Erzählungen keinen Glauben an die aktive Einwirkung der Seelen nach dem Tod widerspiegelten. Stattdessen betrachteten die alten Griechen die Psyche als einen „schattenhaften Überrest“, der im Reich der Lebenden nach dem Tod keine Handlungsfähigkeit besaß. Diese Auslegung legt den Grundstein für eine tiefergehende Untersuchung der kulturellen Bedeutung der Seeleverehrung sowie der Vorstellungen von Unsterblichkeit in späteren Kapiteln des Werkes.