„Die Motive der Menschen“ von George Albert Coe ist ein Abhandlung über Moralpsychologie und Sozialphilosophie, die Anfang des 20. Jahrhunderts verfasst wurde. Sie untersucht, was tatsächlich das menschliche Verhalten antreibt, und warum die moderne Gesellschaft gegenüber der Güte des Menschen skeptisch geworden ist. Diese Entwicklung wird anhand von Krieg, wissenschaftlichen Theorien, Literatur, Industrialisierung und organisierten Religionen analysiert. Das Werk argumentiert, dass unsere Enttäuschung auf unvollständigen Wahrheiten und fehlerhaften Motiven beruht, und weist darauf hin, dass die Entwicklung breiterer, höherer Ziele der Weg zur Erneuerung sei. Am Anfang des Buches erläutert Coe sein Ziel und seine Ausgangsposition: Als Lehrer für Pädagogik und Religionspsychologie strebt er eine klare Erklärung menschlicher Motive an, die Schulen, Kirchen und das öffentliche Leben leiten kann. Zunächst betont er, dass unsere Wünsche uns definieren – enge Wünsche beschränken unser Leben, während weite, verändernde Wünsche es erweitern können. Er kritisiert dabei Bildung und Religion dafür, bestehende „Werte“ zu verbreiten anstatt bessere Sehnsüchte zu wecken. Im ersten Teil wird untersucht, wie das Vertrauen in die menschliche Natur nachgelassen hat: Der Wandel vom Optimismus des 19. Jahrhunderts zum Kriegszeit-Kynismus, die Propaganda und der moralische Wirrwarr während der Kriege, Fehlvorstellungen über die Evolution, eine Literatur, die irrationalen Impulsen Raum gibt, sowie widersprüchliche psychologische Ansichten, die in das allgemeine Denken Eingang finden. Coe identifiziert die Industrialisierung als Hauptursache dieser Enttäuschung – sie normalisiert Motive, die den Profit in den Vordergrund stellen, Konflikte und Unehrlichkeit. Zudem zeigt er das Dilemma des Christentums auf: Da es keine echte Erneuerung beweisen kann, passen sich Kirchen oft dem System an, das die Würde des Menschen untergräbt. Im zweiten Teil formuliert Coe die Frage neu: Die Welt ist reichlich vorhanden – doch wir zweifeln daran, in der Lage zu sein, große und edle Wünsche zu haben. Diese Annahme möchte er herausfordern.