„Der nackte Mann“ von Catulle Mendès ist ein Roman, der Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben wurde. Es handelt sich um eine verspielte, satirische Mittelalterromanze, die den impulsiven jungen Ritter Pierre de Pierrefeu in den Mittelpunkt stellt – zusammen mit seinem trinkfreudigen Bruder Marcabrus und seinem frommen Bruder Aymeril. Die Handlung spielt am berühmten Hof der Liebe in Romanin, wo Verlangen und Anstand aufeinandertreffen. Zu erwarten sind skurrile Abenteuer, lyrische Parodien auf die Kultur der Troubadoure sowie witzige Diskussionen über die Liebe. Der Beginn des Romans versetzt uns in eine stilisierte Provence des 12. Jahrhunderts: Die drei Söhne eines verschwenderischen Adligen gehen unterschiedliche Wege: Marcabrus reist nach Toulouse, um Wein zu verkaufen; Aymeril begibt sich aus frommem Eifer auf die Kreuzzüge; Pierre bleibt mit nur einem prächtigen Pferd und edler Kleidung zurück und macht sich auf den Weg, Ruhm in der Liebe zu erlangen. Eine Legende erklärt die Entstehung des neuen Turms von Romanin: Die Liebenden Doulce und Antiphanor sterben bei einem Feuer, anstatt ihre Umarmung zu beenden – weshalb der Schlosshof fortan als Ort für jährliche „Höfe der Liebe“ dient. Dort urteilen die Gräfin Phanette sowie andere adlige Damen über verschiedene Fälle – von kindlichen Versprechen bis hin zu Streitigkeiten um das Recht auf Liebe. Die Handlung wird unterbrochen, als der berühmte Inbegriff der Keuschheit, Clermonde des Iles-d’Or, hereinstürmt und behauptet, in einem Wald von einem nackten Mann geküsst worden zu sein. Anschließend zeigt die Erzählung, wie Pierre nachdem er das Gasthausmädchen Mariotte vor einem eifersüchtigen Wirt gerettet hat, von Räubern überfallen wird. Diese verschonen ihn, stehlen jedoch sein Pferd und seine Kleidung – sogar sein schönes Hemd geben sie Mariotte. So bleibt Pierre völlig nackt zurück und flieht beschämt in den Wald.