„Jupe courte“ von Catulle Mendès ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die Ende des 19. Jahrhunderts verfasst wurden. Sie satirisiert auf spielerische Weise die Pariser Sitten, Begierden, Eifersucht sowie die sich wandelnden Vorstellungen von Bescheidenheit – und zwar durch witzige, gewagte Erzählungen mit ironischen Wendungen. Man findet darin elegante Koketten, gelassene Dandys, treue Freunde sowie naive Bräute, die in kühnen Situationen geraten und dabei die Kluft zwischen Schein und Wirklichkeit aufzeigen. Die Sammlung beginnt mit einem schelmischen Vorwort, das eine Moderevolution vorhersagt – nackte Körper und verhüllte Gesichter als Metaphern für den Wandel der Bescheidenheit. Zu den ersten Geschichten gehören: Ein Liebhaber stiehlt dem Rivalen den intimen Duft seiner Geliebten, um sie zurückzugewinnen – doch dadurch wird sie wieder zu seinem Rivalen geführt; ein berühmter „Flicker von Krügen“ steht vor der Herausforderung, einen unzerbrechlichen Krug einer Braut zu reparieren, den er selbst einst repariert hatte; zwei untrennbare Freunde verbinden ihre Boudoirs miteinander durch eine elektrische Glocke, um ihre gemeinsamen „ehelichen Höhepunkte“ zu synchronisieren – was jedoch zu katastrophalen Folgen führt; eine makellose Schönheit bedauert, dass gerade ihre Perfektion sie in der Liebe behindert; die unfehlbare Eifersucht eines selbstgefälligen Zynikers wird durch blondes Haar aufgedeckt; eine Pariserin bewertet ihre Liebhaber danach, wie viele Zigaretten sie nach dem Sex rauchen – und findet bei einem Landmann echte Ausdauer; schließlich wird eine Dame, die als Strohball verkleidet vom Heuboden heruntergebracht wird, von einem Bauern entführt… Die Sammlung endet mit einer neuen Geschichte, in der ein Erzähler behauptet, dass Begierde stillschweigend von einer Person auf die andere übertragen werden kann – und beginnt anschließend mit der Erzählung von seiner unschuldigen jungen Frau.