„Hajamuistelmia pakolaiselämäst“ von Aatto Sirén ist eine Sammlung von memoriografischen Skizzen, die Anfang des 20. Jahrhunderts verfasst wurden. Sie schildert das Leben eines finnischen sozialistischen Flüchtlings in der revolutionären Russland nach dem finnischen Bürgerkrieg und vereint persönliche Beobachtungen, politische Reflexionen, Reiseberichte sowie Beschreibungen von Gemeinschaften in Orten wie Petrograd und der Siedlung Bui. Der Beginn des Buches legt bereits den Rahmen und Tonfall fest: Es handelt sich um kurze, unmittelbare Erzählungen – keine systematische Geschichtsschreibung –, die auf ersten Hand-Eindrücken aus dem Chaos der damaligen Zeit beruhen. Sirén erinnert sich an die angespannten Nächte im finnischen Parlament kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs, daran, wie schnell sich die Ereignisse entwickelten, und äußert seinen Skeptizismus hinsichtlich der Machbarkeit einer Arbeiterregierung in Finnland – untermauert durch marxistische Argumente sowie eine Debatte mit einem Genossen darüber, ob die Katastrophe hätte verhindert werden können. Anschließend schildert er seine gefährliche Reise nach Hause über von deutschen Truppen zerstörte Eisenbahnlinien, seinen umständlichen Weg durch kleine Bahnhöfe und Dörfer sowie schließlich seinen Aufenthalt in Petrograd. Die Erzählung weitet sich auch auf die Veränderungen aus: den Verlust der Pracht zaristischer Paläste und deren Umwandlung in Museen und Volksparks im Sowjetzeitalter. Zudem beschreibt sie das Leben der Flüchtlinge in Bui – eine finnische Kolonie, geprägt von zwielichtigen Opportunisten, Konflikten um Rationen und Gemeinschaftsregeln, aber auch durch funktionierende Gesundheitsversorgung und sogar die Geborgenheit einer prächtigen Sauna. Die ersten Kapitel beinhalten außerdem Beschreibungen des Lebens in der Gemeinschaftsfabrik sowie der verschiedenen Rollen des Autors – von Arzt bis Verwalter – sowie eine reflektive Betrachtung alter finno-ugrischer Siedlungen in der Region Kostroma, die das heutige Exil mit jahrtausendealten Migrationsbewegungen verbindet.