„… Und die Schrecken der Verantwortung (Fortsetzung zum ‚Kult der Inkompetenz‘)“ von Faguet ist ein politisches und rechtliches Essay, das Anfang des 20. Jahrhunderts verfasst wurde. Darin wird argumentiert, dass die modernen französischen Institutionen bewusst so angelegt sind, Verantwortung zu umgehen – insbesondere wird darauf hingewiesen, wie Justiz und öffentliches Leben die Schuld auf Gesetze, Vorgesetzte und den Staat schieben. Das Werk setzt die allgemeine Kritik des Autors an ziviler Inkompetenz fort und untersucht Gesetze, Berufe, Familie und gesellschaftliche Bräuche aus einer scharfen, polemischen Perspektive. In der Einleitung wird argumentiert, dass die Franzosen danach streben, unverantwortlich zu sein – dabei werden insbesondere rechtliche Ideen und Bräuche als Mittel genutzt, um Verantwortung abzuwehren. Es wird behauptet, dass Richter seit der Revolution zu reinen Anwenderinnen von Gesetzen geworden seien und damit ihre moralische Verantwortung verloren hätten – im Gegensatz zu den alten französischen Magistraten, englischen Richtern oder römischen Prätorn, die das Recht mitgestaltet und dessen Folgen getragen haben. Beccarias Argumente für einen strengen Textualismus werden herangezogen, um zu zeigen, wie auch die Angst vor „dem Geist des Gesetzes“ Richter vor der Verantwortung schützt. Der Autor verteidigt außerdem den Verkauf von Justizämtern während des Ancien Régimes – entgegen Voltaire und anderen Kritikern – als eine paradoxale Garantie für Unabhängigkeit. Er argumentiert, dass die Revolution die Justiz der Exekutive untergeordnet habe und dadurch die Regierung zur wahren „Richterin“ geworden sei. Zudem werden beispielhaft politisierte Urteile aufgeführt: Die Verurteilung des Kardinals Luçon durch das Pariser Gericht, angeblich basierend auf falschen Angaben sowie einer verzerrten Zitat; sowie das Urteil des Kassationsgerichts im Dreyfus-Fall, bei dem ein gesetzlicher Artikel willkürlich ausgelegt wurde, um eine neue Militärgerichtsverhandlung zu vermeiden – wodurch die Regierung ihre Macht behielt, während der Fall ungelöst blieb. Insgesamt zeichnet das Werk ein Bild einer Justiz, die sowohl durch den strengen Textualismus als auch durch Gehorsam vor Verantwortung geschützt wird – wodurch die Rechtsprechung in die Hände einer unverantwortlichen Macht fällt.