„Reisen des Herrn Ray, Band 2: Eine Sammlung curioser Reiseberichte und Naturbeobachtungen…“ von John Ray ist eine Sammlung von Reiseerzählungen sowie naturwissenschaftlichen Beobachtungen, die Mitte des 18. Jahrhunderts verfasst wurden. Sie umfasst übersetzte Berichte über Reisen in den Nahen Osten sowie in weitere Gebiete des osmanischen Reiches – Griechenland, Kleinasien, Ägypten, Arabien und Äthiopien – mit Schwerpunkt auf Geografie, Bräuchen, Handel und Pflanzenwelt. Die Leser finden darin detaillierte Reiserouten sowie umfangreiche botanische Informationen, zusammengestellt von mehreren Reisenden. Der Anfang dieses Bandes enthält einen ausführlichen Inhaltskatalog; anschließend beginnt der Reisebericht des Dr. Leonhart Rauwolf über das östliche Mittelmeer. Darin erläutert Rauwolf seine botanischen Ziele, beschreibt seine Reisen von Augsburg nach Marseille sowie die dabei besuchten Städte und Pflanzenarten. Danach unternimmt er eine stürmische Überfahrt vor der Küste Sardiniens, Siziliens, Kretas und Zyperns; unterwegs trifft er sich kurz mit einem osmanischen Offizier in Salamis, bevor er schließlich Tripoli erreicht. Bei seiner Ankunft beschreibt er die Stadt sowie ihre Besonderheiten – bewässerte Gärten, flachgedeckte Häuser, enge gepflasterte Straßen und insbesondere die öffentlichen Bäder mit ihren rituellen Wasch-, Enthaarungs- und Massageverfahren. Er geht auch auf den Handel sowie die Verwaltung in Tripoli ein – europäische Konsulate und Geschäftsgebäude, belebte Basare, der Handel mit Seide und Rosinen, die Herstellung von Seife und Kalium aus lokalen Pflanzen, die Münzprägung sowie die Rolle osmanischer Beamter und Gerichte. Zudem beschreibt Rauwolf alltägliche Bräuche wie Kleidung, Musik und Spiele, Waschgewohnheiten, die Isolation von Frauen sowie Bestattungsrituale. Der Abschnitt schließt mit einer Übersicht über die lokale Flora rund um Tripoli – von Küstenpflanzen bis hin zu Ricinus-, Muschel- und Zuckerrohrarten.